Verkürztes Zungenband
Einer meiner Beratungsschwerpunkte sind verkürzte Zungen- und Lippenbänder.
Was ist das überhaupt?
Fast jeder Mensch hat ein Zungenband, welches du unterhalb deiner Zunge, als dicken (oder dünnen) Strang zwischen deinem
Mundboden und der Unterseite deiner Zunge erkennen kannst.
Auch dein Baby wird wahrscheinlich ein sichtbares Zungenband haben. Soweit handelt es sich also um eine normale anatomische Struktur.
Zungenbänder können allerdings auch restriktiv sein, die Zunge also in ihrer Funktion einschränken. Und hier treten dann Probleme auf beim Stillen / Flasche nähren,
generell der Nahrungsaufnahme oder auch andere gesundheitliche Probleme können oftmals auf eine eingeschränkte Zungenbeweglichkeit zurückgeführt werden.
Nicht selten kommen Eltern in meine Beratung, bei deren Baby das Zungenband „okay ist, da wurde schon nachgesehen“.
Wenn ich dann nachfrage, wie genau das gemacht wurde höre ich oft „es wurde in den Mund geguckt, da ist nichts zu sehen“.
Das reicht leider nicht aus, um eine orale Restriktion auszuschließen. Es bedarf hier viel Fachwissen, um eine ausreichende Einschätzung vornehmen zu können. Der Blick in den Mund kommt quasi der Glaskugel gleich.
Manchmal gibt es Zungenbänder, die sind per Blick auffällig. Sie setzen z.B. sehr weit vorn an der Zunge an, formen die Zunge herzförmig, oder sorgen dafür, dass die Zunge eine Schale bildet, wenn sie hochgenommen wird. Nicht immer ist ein solches Band aber auch wirklich so einschränkend, dass hier getrennt werden muss.
Restriktive Zungenbänder sind aber nicht immer so eindeutig zu erkennen und brauchen viel Erfahrung und eine intensive Abklärung.
Hierzu gehört es sich den Vorgang des Stillens / des Flasche Nährens oder die Mahlzeit an sich anzusehen. Die Mund- und Gesichtsmuskulatur des Kindes wird beurteilt und viele Fragen zur Abklärung gestellt.
Eltern kommen meist aufgrund von Still- oder Saugproblemen an der Flasche in meine Beratung. Hier ist es für mich wichtig, direkt Abhilfe zu schaffen, da die Mütter oftmals Schmerzen beim Stillen haben, oder die gesamte Füttersituation belastend für die Familie ist.
Welche Hinweise gibt es auf orale Restriktionen?
Generell kann man sagen, dass es nicht DEN Hinweis gibt. Viele Dinge die ich folgend aufliste, können auch andere Ursachen haben. Sie sind immer nur ein kleines Puzzleteil in dem großen Puzzle, welches ich versuche mit den Familien zusammen zu setzen.
- Baby hält den Saugschluss nicht (Klicken / Schnalzen)
- Baby verliert Milch beim Trinken
- Saugbläschen an den Lippen
- Schmerzen / wunde Mamillen
- Ran-Weg-Verhalten
- große Unruhe beim Stillen
- schlechte Gewichtszunahme bei ausreichend Milch
- Baby kann generell nicht andocken
- Schwierigkeiten mit fester Nahrung / nur bestimmte Konsistenzen gehen
- uvm.
Du erkennst einige Punkte bei euch wieder? Sprich mich gern an und wir schauen gemeinsam auf die Situation.
Wie geht es weiter, wenn ich ein verkürztes Zungenband vermute?
Generell stelle ich keine Diagnosen. Ich kann eine Einschätzung vornehmen und eine Vermutung abgeben.
Als erstes versuche ich Verbesserung in die Situation zu bringen. Nicht jedes verkürzte Zungenband muss zwingend durchtrennt werden.
Sollte meiner Einschätzung nach eine Trennung notwendig werden, verweise ich an eine fortgebildete Ärztin. Dies kann z.B. ein Zahnärztin mit entsprechender Fortbildung sein. Leider gibt es solche Ärztinnen nicht wie Sand am Meer, mit einer etwas weiteren Anfahrt ist leider zu rechnen.
Bei Durchführung der Frenotomie ist es ratsam, sich im Vorfeld mit dem weiteren Verlauf der Behandlung, sowie der Nachbehandlung vertraut zu machen.
Auch hier bin ich für euch als Familie voll und ganz da und erkläre euch, was auf euch zukommt.
Da das Zungenband auch Einfluss auf andere Körperteile als nur die Zunge hat, kann unter Umständen auch eine körpertherapeutische Behandlung oder logopädische Behandlung sinnvoll sein. Hier verweise ich euch entsprechend weiter.
Reicht es denn nicht aus einfach abzustillen?
Wenn ein Zungenband die Beweglichkeit und somit Funktion der Zunge einschränkt, ist es mit dem Abstillen leider nicht getan. Wir benötigen die Zunge zum Sprechen, für die Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme, zum Küssen 😉 (viele Erwachsene merken ein verkürztes Zungenband im übrigen erst daran, dass sie nicht richtig küssen können).
Orale Restriktionen können sich auf die Atmung (Stichwort Mundatmung) und somit auf die Infektanfälligkeit sowie Anfälligkeit für Mittelohrentzündungen auswirken. Sie können Auswirkungen auf unseren Schlaf, auf die Zahnstellung, das Kieferwachstum, auf unsere Körperhaltung und vieles mehr haben.
Es ist also durchaus sinnvoll, ein Zungenband hinsichtlich seiner Bewegungseinschränkung genauer einzuschätzen, bevor eine Entscheidung für oder gegen eine Durchtrennung gefällt wird.
Du möchtest dich gern weiter über orale Restriktionen informieren?
Dann schau auf der Seite der Defagor vorbei -> Defagor e.V.